6. Point Loma

Seite 2 Point Loma

Als ich die Anlage betrete, empfängt mich neben der geisterhaften Ruhe ein kleiner Exerzierplatz mit der grössten Amerikanischen Flagge, dich ich bis jetzt bewundern durfte. Das Hinweisschild, dass an diesem Ort das Tragen von Waffen aller Art verboten ist, nehme ich zur Kenntnis und wandere in stiller Andacht entlang der identischen Granitsteine. Hier also ist tausendfach dokumentiert, dass Menschen für Ihr Land und/oder Ihre Überzeugung das Wertvollste gaben, was sie besassen. Den Inschriften nach zu urteilen ist hier jedes Kampfgebiet vertreten, das die Amerikanische Nation in den letzten 100 Jahren betreten hat. Es liest sich wie ein Who is Who der Geschichte: Gettysburg, Normandie, Ardennen, Korea, Vietnam, Afganistan und Irak. Ich bin schwer beeindruckt, die grosse Anzahl an frischen Blumen und Kränzen läst mich immer wieder geschockt innehalten. Mir bleibt spontan nur die Erkenntnis, dass diese Nation offensichtlich gerade einen extrem hohen Preis für Ihre Rolle in der Welt bezahlt.

Soweit meine lebenden Augen sehen können, bin ich vollständig alleine auf dem vorbildlich gepflegten Gelände. Keine weitere Menschenseele ist zu spüren, während der Blick des einsamen Besuchers zwischen dem zwischenzeitlichen Lichtermeer der Stadt auf der Linken und den in das Meer eintauchenden Sonnenball auf der Rechten Seite emotional hin und her schwenkt. Gleichzeitig wiegt die vom Pazifik herauf getragene leichte Brise das britisch kurz geschnittene Gras der Anlage wie ein bewegliches Seidentuch über die in mediterranes Licht getauchte Hügellandschaft. Die goldene Stunde ist angebrochen und für uns Photografen entsteht das Licht, das aus Bildern Gemälde zaubert. Gänsehautfeeling!

Gerade als ich anfange, an der Realität dieser Örtlichkeit zu zweifeln, beginnt der Trompeter sein klagendes Lied in den Himmel zu musizieren. Es ist das Musikstück, dass zu solchen Anlässen intoniert wird und das dass letzte Geleit auf dieser Erde für die Angehörigen in einen emotionalen Supergau verwandelt. Nach der ersten Schrecksekunde ist klar, dass die herzzerreissenden Töne aus dem Lautsprecher der Exerzieranlage kommen. Es ist 19:30 Uhr und ich vermute, das Signal fordert alle Atmenden dazu auf, das Gelände zu verlassen. Zeit zu gehen.

Als ich meinen stählernen gelben Freund wieder auf die Strasse bugsiere, muss ich akzeptieren, dass die feuchte Meeresluft nicht die Ursache für meine nassen Wangen ist… Den eigentlichen Point Loma habe ich mir dann gespart und bin direkt zurück in mein Lieblingskaffee, den Livingroom in La Jolla gefahren. Ein Bud light hilft mir anschliessend dabei darüber nachzudenken, wie ich die Zeit verbringen soll, bevor auch mich die traurige Trompete endgültig ereilt. Zu meiner Freude fällt mir dann auch einiges ein, was man(n) so anstellen kann und so beginnt am Morgen danach der nächste gute Tag ausserhalb der unnützesten Mauer dieser Welt!

 

Cemetery, das Englisch Wort fuer Friedhof. In schmerzlicher Erinnerung bleibt der stille Respekt vor den Toten auf dem Fort Rosecrans National Cemetery, Point Loma, San Diego, Kalifornien.

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