3. Versichernde Schönheitsköniginnen

Versichernde Schönheitsköniginnen oder Dienstleistung perfect

Heute ist Sonntag und morgen ruft der gute Zollonkel zum Rapport für die Übernahme des gelben Pferd. Leider weis ich trotz aller Vorbereitung nicht, ob ich zur Übernahme des Motorrades eine gültige Versicherung vorweisen und so bleibt mir nur heute, eine Insurenc zu finden und abzuschließen. Aber ich bin guter Dinge, den ich habe ja einen internationalen Führerschein aus der Weltstadt Mühldorf am Inn und meine süditalienisch/asiatisch geprägte Motorradfahrweise hat sich ja bis hierher hoffentlich noch nicht rumgesprochen. Also auf in die Metropole Oxnard. Hier muss es doch Versicherungsvertreter geben, die eine Prämie verdienen wollen und dafür keine 5.000 USD haben.

Vier Stunden später bin ich in der harten olivieanischen Realität angekommen! Nach unzähligen Gesprächen und Diskussionen mit den großen amerikanischen Versicherungsabzockern rückt das Motorradfahren in weite Ferne. Meinen internationalen Führerschein der Dorfgemeinde Mühldorf interessiert hier keine Sau, ohne kalifornische Driverlicense keine Versicherung ist der Satz, den ich permanent zu hören bekomme! Sollte doch alles umsonst gewesen sein? Wird der von mir so geliebte öffentliche Bus meine zweite Heimat? Hätte ich mich da vielleicht doch etwas mehr vorher kundig machen sollen?

Nein und außerdem zu spät, denken in Alternativen ist angesagt. Ich setzte mich in mein zweites Wohnzimmer -Starbucks- ordere einen grande americano und nach kurzer Überlegung gebäre ich zwei erfolgsversprechene Strategien:

1. Californische Driverlicens erwerben oder

2. Nach Mexico fahren (Tichuana kenne ich ja schon) und dort eine Versicherung abschliessen, die für die USA gilt.

Allerdings habe ich nur bis morgen Zeit, das könnte für beide Lösungen herausfordernd werden…

Nach einem weiteren schwarzen Aufputzwasser trette ich die beiden Geistesblitze dahin, wo sie hingehören und fasse einen verwegenen Angriffsplan auf das einheimische Versicherungswesen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage: wer versichert eigentlich die vielen mexikanischen Autofahrer, die hier in den Staaten arbeiten, aber keine CA-Licens haben? Also, auf in das Mexicanerviertel und fragen! Eine kurze Stunde später bin ich mit dem Bus da, wo es viele gebrauchte Autos, eine Menge vom Lastwagen gefallener Ersatzteile und die ein oder andere dunkle Ecken gibt UND mexikanische Versicherungsbüros.

Voller Euphorie stürze ich mich in die erste Incurenc-Bude die an meinem Fussgängerweg liegt und bin zunächst erstaunt. An den acht einfachen Schreibtischen arbeiten nur Frauen. Korrigiere nach dem zweiten Blick arbeiten hier nur sehr gut aussehende Damen. Korrigiere nach dem dritten Blick arbeiten hier nur angehende mexikanische Schönheitsköniginnen. Vor mir sitzen in Reih und Glied acht phantastische Damen und starren mich ohne ein Wort zu sagen an. Habe ich vor leiter Eile vielleicht das Firmenschild falsch verstanden? Anderes Etablissement?

Zu meine Glück löst sich nach einigen Sekunden die gegenseitige Anspannung und die erste Lady fragt mich in wunderbar klarem mexikanische/amerikanische Slang, ob Sie was für mich tun kann? So wie Sie das fragt, frage ich mich, ob ich nicht doch in einer anderen Dienstleistungsbranche gelandet bin und nur das Tarnunternehmen falsch interpretiert habe. Ich nehme meinen ganzen Mut zusammen und stammle etwas von German Motorbike und Versicherung und keine CA-Licens und komme mir dabei ziemlich doof vor. So eine stammelnden germanischen Helden haben die hier bestimmt noch nicht gehabt und falls das doch eine andere Einrichtung ist…

Aber siehe da, das Fräuleinwunder bittet mich tatsächlich, mit einem weiteren einladenden Lächeln und einer schwungvoll eleganten Armbewegung, eine der Dame auszusuchen. Gut, ich versuche das mal nicht misszuverstehe, obwohl… Aber was solls, es ist ja sonst kein Kunde da und im Zweifel kann ich immer noch mit meinen schnellen Beinen die Kurve krazen.

Als Gentleman alter Schule will ich natürlich keine Frau unglücklich machen, die notgedrungen auf optische Reize bassierende Auswahl fällt wirklich schwer und so entscheide ich spontan, mit der Ersten rechts zu starten. Wir gehen gleich in medias res und ich erzähle hoffnungsvoll von meinem Vorhaben. Und siehe da, Sie versteht was ich brauche, fragt Details zum Fahrzeug und ist auch nicht böse, als ich ihr sage, das ich keine CA-Licens habe. Das wäre hier kein Problem, das Thema hätten viele Ihrer Landsleute. Meine Hoffnung wächst bis zu dem Zeitpunkt, als meine deutschen Führerscheindaten in den mexicanisch-electronischen Hilfsknecht sollen. Die Augenweide scheitert wiederholt bei der Eingabe der Daten (“…yes mam, Barth is the lastname, not as bart simson…”). Als Ergebnis werde ich höflich an den nächsten hinteren Tisch gefürt und einer neuen 90-60-90 vorgestellt.  Auch nett, in der Vielfallt liegt das Vergnügen.

Nach einigen Minuten gelingt dem neun Fräulein das ungelingbare und ich freue mich zwischenzeitlich richtig darüber, mit wieviel Engagement und Kundenorientierung hier gearbeitet wird (sorry Guys, was für ein Unterschied zu den US-Versicherern, wo ich gefühlt ein Störposten der Büroruhe war). Wenn jetzt noch die Prämie stimmt, dann….”…USD 1.290, zahlbar mit Karte oder Bar?…” Das Lächeln der südamerikanischen Schönheit schlägt mir links und rechts auf die Wange. Zurück auf Anfang und tieeeeeef durchschnaufen. Ich wollte doch günstig und so, aber ich brauche auch schnell! Immerhin, da geht was. So Ladys, wie seht das denn im Detail aus und was ist mit einem Bavarian-Discount?

Das bringt mich zur nächsten Tischdame, ich werde an den letzten Arbeitsposten weiter gereicht. Auch schön, Beautychefin himself zitiert die beiden bisherigen Damen zu sich. Meine Drei Mädl’s von der Insurance-Tankstelle halten ohne den potentiellen Versicherungskandidaten auf mexikanisch Kriegsrat und sie vermitteln dabei den Eindruck, als wollen sie sich diesen germanisch-baiowarischen Happen auf gar keinen Fall entgehen lassen. Ich bin zum Provisionsabschuss freigegeben.

Die drei Grazien bittet mich an den Tisch zurück und erklären mir in bezaubernden Worten, welchen Deal Frau gerne machen würde: kurze Einführung in das USA-System hierzu unabdingbar. In den einzelnen Staaten gibt es unterschiedliche Versicherungspflichten. Eine Standardversicherung ist bei Zulassung Pflicht, der Versicherungsschein ist im Auto mitzuführen. Das ist die Theory. Die Deckungssummen für die Standartversion (third-party risk insurance) ist TUSD 50 (die Deutsche Summe liegt bei 7,5 Mio…) und das bei den Schadensersatzsummen hier in Olivien. Die Versicherungsprämie wird hier nicht wie in meiner ersten Heimat für ein Jahr im Voraus bezahlt sondern bei Abschluss sind lediglich die ersten drei Monate fällig (…und wer böses denken will, wohl auch nur für die Zulassungphase…). Anschließend bleibt es dem Kunden überlassen, was er tut. Er muss nur sicher stellen, dass die Prämie rechtzeitig bezahlt wird. Wird keine Prämie bezahlt, ist man halt nach den drei Monaten nicht mehr versichert, was in einigen Bundesstaaten verboten ist. Für andere Verkehrsteilnehmer ist deshalb nicht ersichtlich, ob der Fahrzeughalter/Fahrer eine Versicherung hat. Deshalb kann man auch eine Versicherung abschließen, die exakt dieses Risiko absichert (uninsured/underinsured motorist coverage). Interessantes System, man muss nur das Risiko selbst tragen. Ein Prinzip, das mir hier in Olivien in den nächsten Monaten noch öfters begegnen wird.

In meinem Fall heisst der Deal 289,00 USD für die ersten drei Monate und dann liegt es an mir! Warum hat mir das eigentlich von den amerikanischen Sesselpupsern keiner gesagt? Das ist genau das was ich aktuell brauche. Es löst mein Problem und läßt mir alle Alternativen offen. Ein hoch auf die mexikanischen Sahnestücke, die Mädels verstehen ihr Geschäft, respekt. Kundenorientierung kann so schön sein, was in diesem Falle eindeutig zweideutig ist. Nach einer Dreiviertelstunde verlasse ich das mexikanische Freudenhaus mit einer sofort gültigen Versicherungspolice der US-Gesellschaft Progressiv. Ja, die Damen haben nur vermittelt und ja, ich war vorher auch bei Progressiv direkt. Dort hat man mir allerdings mitgeteilt, no CA-Licence, no Insurence. Again wot lörnd, würde Lotar wohl sagen.

Done, das gelbe Pferd kommt näher. Der Termin mit dem Zollonkel kann kommen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Lang leben die mexicanischen Mädl’s. Wirklich Nett!

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